Stammbaum. (Gedicht)

Stammbaum. (Gedicht)

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Stammbaum. (Gedicht)

Wenn ich dich anschau, kommst du mir irgendwie so verwandt vor. Du bist mein Stammbaum. Meine Ideen haben mich entwurzelt statt sich fortgepflanzt. Mir fehlen die Orte. ...

Wenn ich dich
anschau,
kommst du mir irgendwie so verwandt vor.
Du bist mein
Stammbaum.


Meine Ideen haben mich entwurzelt
statt sich fortgepflanzt.
Mir fehlen die Orte.
Früher hatte ich ein Wortgewand
aber jetzt stehe ich nackt da –
Regen von vorne.
Ein Männlein,
im Wald
Allein und stumm.
Will Richtung Lichtung,
aber meine Füße sehen keinen Grund
im Wald.
Halt
wie ein Baum, möchte ich
finden.
Doch Risse in der Haut.
bei mir bröckelt die Rinde,
je weiter ich in den Wald rausgeh.
Zumindest lassen auch mich gewisse Ringe
alt aussehen –
die unter den Augen.
Bin müde, habe mich zuletzt zu oft im Dunkeln verlaufen.
Oder in den Worten eines botanischen Fachsprachentexts:
Ich bin einfach nichts, was gern im Nachtschatten wächst.
Das gerade jetzt
setzt dem Ganzen die Krone auf,
doch ich bin auf’s Ganze gegangen, wollte hoch hinaus.
So bleibe ich ungekrönt
gleichzeitig sieht’s wunderschön
von hier oben aus.
Gemeinsam habe ich mit jedem Baum ganz sicher diesen
einen Punkt.
Wenn wir fallen, werden wir mit der Zeit
beide
Stumpf.

Hat sich selbst geheiratet, reist durchs Land und erzählt von Leben, die nicht in Lebensläufe passen. Ritualbegleiter in Ausbildung. Selbstexperimentateur von Konsumpause bis Grundeinkommen. Gedichtehebamme.

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