Hallo Tod.

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Hallo Tod.

Letztes Wochenende war ich in Würzburg, um Manoel beim Dreh seines Bewerbungskurzfilms für die Filmhochschule zu unterstützen. Ich hatte bereits Wochen zuvor zugesagt, aber erst we ...

Letztes Wochenende war ich in Würzburg, um Manoel beim Dreh seines Bewerbungskurzfilms für die Filmhochschule zu unterstützen. Ich hatte bereits Wochen zuvor zugesagt, aber erst wenige Tage vor dem Dreh den ruhigen Moment gefunden, um mir sein Drehbuch durchzulesen. Und da war es wieder. Das Thema, das mir seit einigen Wochen so oft wie noch nie zuvor begegnet: Der Schmerz über den Tod eines anderen Menschen. Im Drehbuch fesselt sich die Protagonistin regelmäßig selbst, um den Schmerz nachzuempfinden, den ihre Tochter wahrscheinlich spüren musste, als sie ein Jahr zuvor verschwand und weder sie noch ein möglicher Mörder gefunden wurden.

Am selben Tag schrieb mir Claudia Fromme – ohne von meiner erneuten Begegnung mit dem Thema durch das Drehbuch zu wissen – , dass sie mir gerne ihr Buch So fern und doch ganz nah, in dem sie über den Tod ihres Mannes und ihrer Tochter schrieb, schenken würde. Und langsam begriff ich, dass sie genau zum richtigen Zeitpunkt die Verbindung zu mir spürte, als sie mich damals im Dezember mit Geld beschenkte. Vielleicht ahnte irgendwas in uns, dass ich ihren Blick auf den Tod bald brauchen würde. Dass die Zeit bald reif für mich war, um mich damit auseinanderzusetzen.
Die Reaktionen auf mein Video zum U-Bahn-Unfall zeigten mir, dass die Zeit tatsächlich reif war und ich irgendwie einen Raum geöffnet hatte, in denen sich andere sicher genug fühlen, auch ihre Geschichten und Ängste mit dem Tod mit mir zu teilen. Jede davon würde ich am liebsten öffentlich machen, um uns einander zu zeigen, dass wir nicht alleine sind. Für heute mag ich eine Geschichte von Katharina teilen, die mich ganz besonders berührt hat, weil sie mir einen Weg zeigt, wie ich gerne mit dem Tod anderer Menschen umgehen würde: Ehrfürchtig, liebevoll, leicht, fühlend, verbunden.

„Ein Mädchen, das in meinem Theaterjugendclub war, ist vor 1 1/2 Jahren an Krebs gestorben. Ich habe sie leider kaum kennen lernen können, aber ich hatte mit ihr eines der besten Gespräche über den Tod, das ich je hatte. Sie hatte schon sehr lange Krebs und war immer wieder in den Theaterjugendclub eingestiegen, aber immer zu krank geworden um eine Aufführung mitzuerleben. Beim ersten Treffen als ich sie kennen lernte, sprach sie ganz offen über ihre Krankheit und bat uns ohne Scheu Fragen zu stellen. Ich kam mit ihr irgendwie auf das Thema Tod zu sprechen. Sie erzähle mir, dass der Tod für sie wie ein guter Freund sei. Er ist sehr verrückt und lustig. Er spornt sie an und zeigt ihr all das tolle im Leben. Gleichzeitig weiß sie aber auch, dass er sie auffängt wenn sie eines Tages nicht mehr kann.

Ich war nicht traurig als sie gestorben ist, weil ich wusste, dass sie nicht allein war. Ihr Freund ist bei ihr gewesen.

Und sie ist auch immer noch da. Im Jahr darauf haben wir ihr unser Stück gewidmet. Wir haben Texte darüber geschrieben, was wir tun würden, wenn wir nicht mehr lange zu leben hätten. Wir haben für sie gesungen und ihr Foto an die Wand projiziert. Leute die in diesem Jahr neu im Jugendclub waren und sie nicht kennen gelernt haben, haben mir erzählt, dass sie das Gefühl haben, sie persönlich gekannt zu haben. Als wir das Stück bei einem Festival gezeigt haben, hat das ganze Publikum angefangen zu weinen und anschließend einen riesigen Gedenkkreis gemacht und für sie gesungen. 300 Leute, die sich an den Händen halten und singen für ein Mädchen, das sie eigentlich nicht kennen und irgendwie doch.“

Hat sich selbst geheiratet, reist nomadisch durchs Land und erzählt von Leben, die nicht in Lebensläufe passen. Im Rahmen seines beziehungsvollen Schenkeinkommens verschenkt er alle seine Workshops, Coachings, Vorträge sowie Kunstwerke und lässt sich gleichzeitig von Verbündeten erwartungsfrei mit Geld beschenken.

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